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Karl Heinz Witte: Bei beiden Begriffen, „transzendental“ und ciszendental“, geht es um dieselbe Grenzerfahrung. Ein mystisches oder spirituelles Ereignis ist wie ein Apfel an einem Zweig, der über eine hohe Mauer in meinen Garten herüberwächst. Die transzendentale Fragestellung erforscht, wie es möglich ist, dass mir dieser Apfel da zuwächst, und postuliert oder erforscht den jenseitigen Stamm und Wurzelgrund. Die ciszendentale Kontemplation leugnet die transzendentale Reflexion nicht, sondern kehrt nur deren Blickrichtung um. Sie lässt den jenseitigen Wurzelgrund jenseitig sein und vergegenwärtigt sich der köstlichen Frucht, die nicht auf meinem Boden gewachsen ist, die mir jedoch ohne mein Zutun zusteht, wenn ich sie ernte. Freilich kann sich auch einer darauf beschränken, den Apfel zu essen oder „empirisch“ zu untersuchen. Die ciszendentale Sichtweise lässt die Ursprungsforscher und die Pragmatiker ihr Werk tun. Sie setzt der Eroberung des Apfels lediglich einen kontemplativen Vorbehalt voraus und fügt ihr ein Momentum der Dankbarkeit hinzu. Thesen: 1. Das Konzept des Gemeinschaftsgefühls selbst beschreibt das Ergebnis einer Umkehr der Einstellung des Individuums. Dieses übernimmt nämlich seinen Lebenssinn vom Anderen her und versucht nicht, ihn vergeblich durch die Konstituierung und Stabilisierung des Ichs oder – psychoanalytisch gesprochen - des Selbst zu stiften, wie es seit Descartes in der Sichtweise der Philosophie und Wissenschaft liegt. 2. Der Zug dieser Wende der Individualpsychologie entspricht einer existentiellen Figur, nämlich der Umkehr, die das Zentrum der Botschaft Jesu war und die christliche Lebensauffassung ideell wesentlich bestimmt hat, aber praktisch meist vergessen blieb. 3. Die Umkehr der Blickrichtung und daraus folgend die Umgestaltung des Lebens lässt sich über Adler hinaus auch in einigen weiteren philosophischen Entwürfen sowie in der Psychoanalyse Melanie Kleins wiederfinden. |